Woche der Brüderlichkeit
Die Woche der Brüderlichkeit wurde am 06. März in
Coburg mit einem ökumenischen Gottesdienst in der alt-katholischen
Kapelle St. Nikolaus, Coburgs frühere Synagoge, eröffnet. Die Vorsitzende
des Kirchenvorstandes Coburg, Frau Grünberg, begrüßte die interreligiöse
Gemeinde, darunter als besondere Gäste Vertreter der Moschee in
Coburg mit ihrem Imam Arslan und Vertreter der Alleviten. Auch Oberbürgermeister
Kastner und Bürgermeister Tessmer waren zur Eröffnung der Woche
der Brüderlichkeit gekommen.
Die Nikolaus-Kapelle diente im Laufe ihrer mehr
als 500jährigen Geschichte insgesamt fünf verschiedenen Konfessionen
als Gotteshaus und ist somit ein wunderbarer Platz, um einen gemeinsamen
Gottesdienst zu feiern.
Für die Gestaltung der Liturgie war Dekan Liebst
zuständig, während Pfarrer Piesche die Predigt hielt, in deren Mittelpunkt
der Gedanke eines Weltethos stand. Neben einem ethischen Minimalkonsens
der Religionen, sprach Pfarrer Piesche auch das schwierige Thema
der historisch-kritischen Überprüfung der Schriften an und nennt
das als wichtige Voraussetzung eines Dialogs zwischen den Religionen.
So sind die evangelikalen Richtungen im Christentum, als auch die
radikalen Richtungen im Islam aufgefordert historisch-kritisch überprüfend
die Botschaft für heute auszulegen und zu verkünden.
Oberbürgermeister Kastner, der auch Schirmherr der
Woche der Brüderlichkeit ist, nahm im Anschluss an den Gottesdienst
das diesjährige Motto "Prüft alles, das Gute behaltet!" in seiner
Eröffnungsrede auf. Kastner beschrieb das Dilemma, dass in unserer
Zeit das Gute oft nicht festgehalten werden kann. "Was nutzt die
beste Prüfung, wenn ich das Ergebnis nicht umsetzen kann? Müssen
wir uns nicht dem Gedanken stellen, aus dem Guten auswählen zu müssen,
was noch geht? Eine Situation, in der Brüderlichkeit besonders Not
tut. Brüderlichkeit, die mehr ist als Toleranz und Akzeptanz. In
einer Zeit, in der Schuldzuweisungen an der Tagesordnung sind, ist
Brüderlichkeit mehr denn je gefordert."
Die Woche der Brüderlichkeit, die wie in Coburg
in ganz Deutschland begangen wird, ist eine Woche voller Chancen
für das Richtige und Wichtige auch einmal Regeln und Konventionen
über Bord zu werfen und zuerst nach dem Menschen zu fragen.
Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die
Vertreter der einzelnen Religionen zum gegenseitigen Kennen lernen.
Im überfüllten Gemeinderaum der alt-katholischen Kirche wurden Fragen
zum Gottesdienst und der Predigt beantwortet, sowie der Grundstein
für vertiefende Gespräche in Vorbereitung eines multireligiösen
Gebets im Herbst gelegt. |